Viele Organisationen investieren massiv in IT-Sicherheit – und übersehen dabei einen entscheidenden Faktor:
die Systeme, die Gebäude, Anlagen und Sicherheitsinfrastruktur tatsächlich steuern.
Ob Zutrittskontrolle, Videoüberwachung oder Gebäudetechnik – all diese Funktionen laufen heute über Operational Technology (OT). Genau hier entstehen neue Risiken.
Denn Angriffe auf IT-Systeme bleiben längst nicht mehr im digitalen Raum. Sie wirken direkt in die physische Welt – und damit unmittelbar auf Prozesse, Anlagen und Versorgungssicherheit.
Verfügbarkeit kritischer Infrastrukturen entsteht nur, wenn IT- und OT-Systeme als integrierte Sicherheits- und Betriebsarchitektur geplant und betrieben werden.
IT-Sicherheit allein reicht nicht mehr aus
Moderne Sicherheitsarchitekturen bestehen längst nicht mehr nur aus klassischen IT-Komponenten wie Servern, Netzwerken und Anwendungen. Sie umfassen ebenso die Systeme, die Gebäude und Infrastrukturen steuern und überwachen.
Dazu zählen unter anderem:
- Gebäudeautomation
- Sicherheitssysteme wie Zutrittskontrolle und Videoüberwachung
- Steuerungs- und Leitsysteme
Diese Systeme bilden gemeinsam die OT-Landschaft eines Unternehmens. Sie sind integraler Bestandteil der Betriebsprozesse – und damit auch der Sicherheitsarchitektur.
Angriffsflächen entstehen an den Schnittstellen von IT und OT
In der Praxis entstehen die größten Risiken nicht innerhalb einzelner Systeme, sondern an deren Übergängen. Besonders die Schnittstellen zwischen IT und OT sind häufig unzureichend abgesichert.
Typische Schwachstellen zeigen sich immer wieder in ähnlicher Form:
- unzureichend gesicherte Fernwartungszugänge
- fehlende oder inkonsistente Netzwerksegmentierung
- unklare Zuständigkeiten zwischen IT und Betrieb
Ein besonders kritischer Bereich sind Remote-Zugriffe. Sie sind für Betrieb und Wartung unverzichtbar, eröffnen aber gleichzeitig erhebliche Angriffsflächen. Eine sichere Umsetzung erfordert daher mehr als technische Maßnahmen – sie setzt ein durchdachtes Zusammenspiel von Authentifizierung, Protokollierung und Infrastruktur voraus.
IT- und physische Sicherheit folgen der gleichen Logik
Ein zentraler Grundsatz moderner Sicherheitskonzepte lautet:
IT-Sicherheit und physische Sicherheit basieren auf der gleichen Schutzlogik – sie nutzen lediglich unterschiedliche Werkzeuge.
Was in der IT als Netzwerksegmentierung umgesetzt wird, entspricht im physischen Raum der Zonierung von Gebäuden. Zugriffskontrollen in IT-Systemen lassen sich direkt mit Zutrittskontrollen vergleichen. Monitoring in der IT erfüllt eine ähnliche Funktion wie Videoüberwachung oder Alarmtechnik.
Diese Parallelen sind entscheidend, denn sie zeigen:
Eine integrierte Sicherheitsarchitektur ist keine optionale Erweiterung, sondern eine logische Konsequenz.
Defense-in-Depth: Sicherheit als Architekturprinzip
Die Integration von IT und OT erfordert eine klare Struktur. Hier hat sich das Prinzip des Defense-in-Depth als Standard etabliert.
Sicherheitsarchitekturen werden dabei in verschiedene Ebenen und Zonen unterteilt, beispielsweise:
- Managementebene
- Automatisierungsebene
- Feldebene
Entscheidend ist jedoch nicht nur die Trennung, sondern vor allem die Definition kontrollierter Übergänge zwischen diesen Bereichen. Kommunikationsbeziehungen müssen klar geregelt und abgesichert sein.
Dieser Ansatz entspricht dem Stand der Technik in der OT-Sicherheit, wie er unter anderem in der Normenreihe IEC 62443 beschrieben wird.
Verfügbarkeit als zentrale Zielgröße in KRITIS-Infrastrukturen
Im Mittelpunkt aller Maßnahmen steht nicht die Sicherheit als Selbstzweck, sondern der Betrieb. Ziel ist es, kritische Prozesse stabil und unterbrechungsfrei aufrechtzuerhalten.
Verfügbarkeit bedeutet in diesem Kontext:
- stabile und zuverlässige Prozesse
- minimierte Ausfallzeiten
- schnelle Wiederherstellung im Störungsfall
Damit wird deutlich: Verfügbarkeit ist kein isoliertes IT-Thema, sondern ein integraler Bestandteil der gesamten Sicherheitsarchitektur.
Typische Fehler in der Praxis
Trotz zunehmender Regulierung zeigen sich in der Praxis immer wieder ähnliche strukturelle Schwächen.
Ein häufiger Fehler ist die organisatorische Trennung von IT und OT. Dadurch entstehen Silos, in denen Sicherheitsmaßnahmen nicht aufeinander abgestimmt sind. Hinzu kommt, dass Verfügbarkeit oft nicht aktiv geplant, sondern implizit vorausgesetzt wird.
Auch regulatorische Anforderungen werden häufig isoliert umgesetzt. Das führt zwar zu formaler Compliance, verbessert jedoch nicht zwangsläufig die tatsächliche Sicherheit oder Resilienz.
IT sichert Daten – OT sichert Prozesse. Erst im Zusammenspiel entsteht Verfügbarkeit.